März 25

Einmal schick machen bitte!

Heute war wieder einer dieser Tage…

da meine bessere Hälfte heute einen wichtigen Termin mit anschließender Feier hat, brauchte ich neue Klamotten.
Der komplette selbsternannte „Dorfadel“ wird anwesend sein und meine Lady sieht einfach nur umwerfend aus. Da kann ich unmöglich in meinen alten Lumpen ankommen.

Also ab in die Stadt und direkt vor einem großen Kaufhaus geparkt. Als ich drin war begann der Terror… Um ehrlich zu sein war in meinem Kopf Kirmes seit ich wusste das ich für diesen Tag einkaufen musste. Heute brauchte ich die Sachen, es ließ sich also auch nicht mehr aufschieben.

Da ich selbst das Stil-Empfinden eines Grottenolmes besitze, kam ich um eine Beratung nicht herum. Aber welche bemitleidenswerte Verkäuferinnen wird meinem grenzenlosen Charm ausgesetzt sein? Die gute sollte strapazierfähig sein, Humor besitzen, und guter Geschmack konnte auch nicht schaden.
Also scheute ich erst einmal was so an zur Verfügung stand.

1: Eine hochgewachsene, schlanke Dame mit offensichtlich schlecht blondierten Haaren in den besten fünfziger Jahren. Für mich ein zu selbstbewusstes Auftreten als das ich mich wohlfühlen würde. Zudem kaute sie mit offenem Mund ein Kaugummi und wirkte somit wie eine Stil bewusste Kuh auf der Weide. Nein Danke!

2: Zwei Verkäuferinnen die beieinander stehen und sich lautstark über letze Nacht oder sonstwas unterhielten. Da ich glaube das die Damen Verkaufsprovision bekommen, gönnte ich keiner von beiden auch nur einen Cent.

3: Ein Mann! Endlich. Der wird doch verstehen wie ich mich als Kerl fühle. Da er sehr gut und trotzdem locker gekleidet ist, traue ich ihm zu, dass er mir auch ein paar schicke Klamotten empfehlen kann. Doch als ich auf ihn zustapfte, unsere Blicke sich treffen, und er sich sicher ist was ich von ihm will, dreht er sich um und tut als ob er mich nicht gesehen hätte. Ich bin vielleicht nicht der schönste aber das finde ich dann doch überreagiert.

4: Eine Dame, locker aber elegant gekleidet, ende der vierziger würde ich schätzen. Sie berät grad zwei ältere Männer in der Abteilung mit den Hemden. Ihr lachen ist schon von weitem zu hören. Ihr herzliches Lachen erreicht selbst ihre Augen und ich bin mir sicher: Diese Frau ist in der Lage mich zu ertragen 😉

Da sie noch in der Beratung ist warte ich in höflichem Abstand und versuche unauffällig auszusehen. Ich denke ich war so unscheinbar wie ein Puma im Affenhaus, schließlich kam sie, sobald sie konnte, auf mich zu.

Ich begann mit der ehrlichen Frage ob sie für eine Herausforderung bereit sei. Sie lachte wieder und ich wusste: Ich habe bald schicke Klamotten!

Als wir gerade am zweiten Kleiderständer angekommen sind passierte allerdings das grausamste: Ein alter Mann, einer der sich offensichtlich für etwas besseres hält, platze mitten in unser halbwegs entspanntes Gespräch. Er wollte den Pullover in seiner Hand. Jedoch eine Nummer größer.
Meine Auserwählte konnte ihn auch nicht vertrösten und versuchte verzweifelt die Situation zu lösen.

Urplötzlich lief eine weitere Verkäuferin. Wo sie herkam ist mir auch jetzt noch ein Rätsel, aber nun war sie da und wurde von meiner Beraterin angehalten.
Die beiden unterhielten sich wenige Sekunden und ich wurde wie ein Stück Vieh weitergereicht.

Zum Glück zeigte meine neue Beraterin ebenfalls eine große Portion Humor. Sie lachte immerhin sehr herzlich als sie meinen Bauchumfang ausgemessen hat…
Doch dies hat zum Glück das Eis zwischen uns gebrochen und schon bald hatte ich eine Auswahl schicker Hemden vor mir liegen. Schnell hatte ich zwei davon anprobiert und mich natürlich für das zweite entschieden.

Als es nun zu den Sakkos ging, merkten wir beide recht schnell das ich weder aussehen wollte wie mein Opa, noch wie Elvis. Darum hat sich mich an ein anderes Geschäft verwiesen. Ein schritt den sich heutzutage kaum noch ein Verkäufer traut, der von mir aber sehr geschätzt wird. Nun noch zur Kasse und schnell bezahlen damit ich hier herauskomme.

Eine knappe Stunde später, drei Liter Schweiß weniger und einem Blutdruck der langsam wieder menschlich wurde, verließ ich das Geschäft mit einem Hemd mehr.

Von den drei Stunden die ich für das Sakko und die Schuhe brauchte erzähle ich eventuell ein anderes mal. Jetzt brauche ich erstmal eine Pause…

erschöpfte Grüße

Moerkel


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VeröffentlichtMärz 25, 2017 von Moerkel in Kategorie "Alltagsgeschichten

Über den Autor

Seit 1986 genieße ich die Welt. Erst spät erkannte ich das ich eher zu den Introvertierten gehöre. Diese Einsicht hat mein Leben allerdings entscheidend bereichert. Darüber und über vieles andere möchte ich mit euch schreiben.

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